Hindernisse
Die Zeremonie der Trauung ist ein Teil der Hochzeit, bei vielen ist jedoch die Feier mit den Freunden und Verwandten der Höhepunkt. Man trifft sich meist nach langer Zeit wieder, hat sich viel zu erzählen und feiert ausgelassen die Erweiterung der Familie. Um so mehr findet man anlässlich der gemeinsamen Feier noch viele weitere nette Bräuche.
Es beginnt meist schon beim Verlassen der Kirche. Zum bereits beschriebenen Wunsch der "Fruchtbarkeit" für das Paar, in Form von Reiswerfen, gesellt sich so manche Aufgabe an das Paar, die die Harmonie und die Gemeinschaft auf die Probe stellen sollen. Teils werden von den Freunden ganze Hindernisparcours vor der Kirche aufgebaut. Fünf der bekanntesten Hindernisse wollen wir im folgenden kurz vorstellen.
Das Spalier
Freunde und Verwandte bilden vor der Kirchentür eine Gasse. Aus Gegenständen, die meist mit einem Hobby der Brautleute in Verbindung gebracht werden, wird ein Spalier gebildet. So muss sich das Paar durch einen Tunnel von Tennisschlägern, Besen oder Feuerwehrschläuchen bahnen. Dies soll symbolisch darstellen, dass sie gemeinsam durchs Leben gehen und alle Schwierigkeiten oder Hindernisse auch gemeinsam meistern müssen.
Das Baumsägen
Vor dem Kirchenportal liegt ein knorriger Stamm für das Brautpaar bereit. Er muss durchgesägt werden. Als einziges Mittel steht dem jung vermählten Paar nur eine rostige alte Säge zur Verfügung. Das Zersägen des Holzes unter erschwerten Bedingungen soll versinnbildlichen, dass sie gemeinsam alle Probleme lösen können, egal welche Schwierigkeiten auf sie zukommen.
Das Seilspannen
Das Seilspannen ist besonders in einigen ländlichen Gegenden beliebt. Kinder aus dem Ort stehen an allen erdenklichen Kreuzungen und Strassen auf dem Weg von der Kirche zur Gaststätte. Sie haben Seile und Bänder gespannt und warten auf den Hochzeitszug. Natürlich muss dieser an jeder Seilbarriere stehen bleiben. Nur ein Griff in die Münzbörse, am besten gefüllt mit vielen Pfennigen, ermöglicht die Weiterfahrt. Im hohen Bogen fliegen die Geldstücke, geworfen von dem Brautpaar und den noch folgenden Gästen, durch die Luft, um auf dem Boden verstreut von vielen Kinderhänden eifrig eingesammelt zu werden. Denn die Durchfahrt ist nur solange gewährleistet, wie die Kinder damit beschäftigt sind die Geldstücke aufzusammeln. In manchen Gegenden spannen die Kinder bereits am Kirchenportal Seile, die vom Brautpaar durchschnitten werden müssen. Aber auch hier werden Münzen geworfen, die von den Kindern unter grossem Jubel eingesammelt werden.
Das Bettlaken-Herz
Das Bettlaken-Herz ist eine Herausforderung an die Handfertigkeit des Paares. Auf einem großen Bettlaken wird ein Herz mit den Namen des Brautpaares und dem Hochzeitsdatum aufgemalt. Nur mit zwei kleinen Nagelscheren bewaffnet, schneiden die Brautleute das Herz gemeinsam aus. Wenn das Herz ausgeschnitten ist, müssen die beiden durch das entstandene herzförmige Loch steigen. In manchen Fällen wird vom Bräutigam gefordert, die Braut durch das Herz zu tragen.
Über die Schwelle tragen
Der Brauch, die Braut vom Bräutigam über die Haustürschwelle der gemeinsamen Wohnung tragen zu lassen, entspringt der Furcht vor bösen Geistern und Dämonen, vor der die Braut gut behütet werden muss. Die Geister sollen sich vorzugsweise in den Ritzen und Schwellen von Häusern aufhalten. Doch diese Aufgabe kann sich zu einem Hindernis entpuppen. Nach einem Tag der Feier, Freude, Tanz und guten Essens dürfte so mancher Bräutigam nicht mehr fähig sein, diese Aufgabe zu bewältigen. Sind Sie ihm also nicht böse, wenn er dieser "Beschützerrolle" nicht nachkommen sollte.
Den Schleier abtanzen
Der Schleier, der als Symbol der Jungfräulichkeit galt, war natürlich auch ein Hindernis, das es galt zu entfernen, bevor sich die Brautleute zurückziehen durften. Da dem Brautschleier auch noch glückbringende Kräfte zugeschrieben werden, versammelten sich am Ende der Feier noch einmal alle Frauen um die Braut und versuchten, während eines Tanzes, möglichst viel von ihrem Schleier zu erhaschen. Heute wird für diesen Brauch meist ein Ersatzschleier aus billigem Tüll aufgesetzt, um den echten Schleier noch aufbewahren zu können. Zum Schluss wird der Braut der gesamte Kopfschmuck, Schleier und Kranz abgenommen. In manchen Gegenden wird ihr symbolisch eine Haube aufgesetzt, sie ist nun als Ehefrau "unter der Haube".
Die Brautentführung
Ob die Entführung im Mittelalter wirklich aus Mangel an Frauen erfolgte oder nur eine nette Anekdote ist, sei dahingestellt. Die Brautentführung findet heute auf fast jeder Feier statt. Im Laufe des Abends wird in einem unbeobachteten Moment die Braut dazu "überredet", in Begleitung von Freunden oder Verwandten die Feier zu verlassen.
Allerdings müssen dabei zwei Dinge beachtet werden. Bei den Entführern darf niemals der Trauzeuge dabei sein und der Brautstrauss muß mit, sonst ist die Braut wertlos. Die Begründung für diese Punkte müssen wir Ihnen schuldig bleiben. Die Handhabung der Entführung variiert von Ort zu Ort, von Land zu Land zu sehr.
Es folgt ein Versteckspiel, welches entweder nur bis zum nächsten Raum des Hotels führt oder quer durch die Heimatgemeinde. Üblich ist es, dass der Bräutigam auf seiner Verfolgung alle Rechnungen begleichen muß. Er sollte sich also mit dem Auffinden der Braut beeilen.
Hilfreich und um die Feier nicht unnötig auseinander zu ziehen, ist es, wenn die Entführung ein wenig abgesprochen wird. Denn nach mehreren Stunden der Suche wird jedem Gast langweilig und er verlässt gar die schöne Feier.
